
WORKSHOP: Kunst im Kontext von Kirchweihliturgie und Patronatsfesten - Termin: 4-5 September 2009; Ort: Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln, An St. Laurentius 8, 50923 Köln; Veranstalter: Dr. Stefanie Seeberg/ Prof. Dr. Susanne Wittekind.
Die Kölner Tagung möchte das Zusammenspiel von Kunstwerken, Texten und Handlungen innerhalb der Liturgie untersuchen. Sie zielt darauf, Kunsthistoriker und Liturgiewissenschaftler zum wissenschaftlichen Gespräch zusammen- zuführen. Die Tagung möchte einen stärker an den theologischen Gehalten der Liturgie und sakralen Raumausstattung orientierten Ansatz in die lebhafte, aktuelle Forschung zum Verhältnis von Kunst und Liturgie einbringen. Diskutiert werden soll die Wahrnehmung und Sprachfähigkeit der künstlerisch gestalteten Objekte und Räume im Moment des liturgischen Vollzugs, ihre Rolle als Speicher oder Anstoß der Erinnerung (memoria) an den liturgischen Akt. Denn im liturgischen Handeln werden Bedeutungen unsichtbar in Orte und Objekte eingeschrieben, die von Betrachtern in der Erinnerung wieder aufgerufen werden können. Es geht damit auch um Konzepte einer unsichtbaren Raum- und Dingordnung. Liturgische Objekte und Räume können durch ihre Präsenz Vergangenes wachhalten und damit die Schwelle zwischen vergangenem Geschehen, zwischen Geschichte und Gegenwart durchdringen. Sie können abwesende Personen wie Stifter oder Nonnen bildlich, inschriftlich oder auch nur imaginär am Ort des sakralen Geschehens am liturgischen Heilsakt teilhaben lassen. Diese Grenzüberschreitungen in künstlerischer wie theologischer Hinsicht gilt es gemeinsam zu diskutieren.
Ein Ausgangspunkt für die Vorträge und Diskussionen der Kölner Tagung wird daher die Gestaltung der Kirchweihliturgie sowie des an sie jährlich erinnernden Kirchweihfestes (dedicatio ecclesiae) sein, das für jede Kirche ein individuelles Hochfest im Jahresfestzyklus darstellte. Denn die Kirchweihliturgie wird im Verlauf des Mittelalters sehr reich ausgestaltet und symbolisch konnotiert. Sie greift räumlich auf ,Stationskirchen’ aus und bezieht Prozessionswege ein, sie erfaßt das Kirchenäußere wie den ganzen Kircheninnenraum. Texte und Handlungen des Ritus machen den zeichenhaften und repräsentierenden Charakter der Liturgie, den Zusammenhang sichtbaren irdischen Geschehens und unsichtbarer himmlischer Wirklichkeit deutlich und reflektieren diesen. Durch die Segnung von Altargerät und Paramenten nach der Altarweihe erfahren diese Objekte innerhalb der Kirchweihliturgie eine besondere Bedeutung und Beachtung. Doch auch andere Hochfeste des Kirchenjahres, insbesondere das Osterfest sowie Feste lokaler Kirchenpatrone bieten Anlaß für eine besonders ausfwendig gestaltete Liturgie. Durch wiederkehrende Texte, Kunstwerke und Handlungsorte können dabei in der aktuell vollzogenen liturgischen Feier Inhalte anderer Festtage mit aufgerufen werden. Wie bestimmt oder verändert die liturgische Handlung die Raum- und Objektwahrnehmung.
Programm: Freitag, 4 September (14.00) - Begrüßung; Susan Marti (Dortmund), Buchschmuck zu Ehren der Patrone: Dominikanische Graduale aus Kloster Paradies; Stefanie Seeberg (Köln), Gedächtnis und unsichtbare Präsenz - Die Rolle liturgischer Objekte in der Kirchweihiturgie des Prämonstratenserinnenklosters Altenberg/Lahn; Thomas Lentes (Münster), Ex devotione benedicere. Zur Stellung der Bilder in der Kirchweih-Liturgie des Mittelalters; Clemens Kosch (Dalheim): Kult- und Liturgieorte in hochmittelalterlichen Stifts- und Klosteranlagen; Leonie Silberer (Stuttgart), Mittelalterliche Klosteranlagen der Franziskaner. Untersuchung ihrer Architektur und Nutzung; Christiane Elster (Köln/Rom), “Unum pluviale ad aurum portandum per dominum episcopum in festis beati Magni\” - Überlegungen zu Funktion, Verwendung und Rezeption liturgischer Textilien aus päpstlichen Schenkungen des 13. bis 15. Jahrhunderts. Samstag, 5 September (9.00) - Klaus Gereon Beuckers (Kiel), Bemerkungen zum ephemären Ostergrab und seiner Bedeutung im Spannungsfeld von Kunst und Liturgie; Beatrice Kitzinger (Harvard/ Köln), Fragen zum liturgischen Gebrauch von Kreuzigungsbildern in bretonischen Evangelienbüchern des 10. Jahrhunderts: das Bradfer-Lawrence Evangeliar; Susanne Wittekind (Köln), Überlegungen zur Benediktion des ornatus ecclesiae im Rahmen der Kirchweihe; Patricia Carmassi (Wolfenbüttel), Stiftung, Kunst und Feier. Das Halberstädter Missale Inv.-Nr. 474 (13. Jh.); Vera Henkelmann (Schleswig), Marienleuchter im Kontext von Gebet und Liturgie.
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